Pellerhof: Abschied von einem verschlagenen Stein

Ein besonderer Trauerzug setzte sich jüngst in Bewegung. Im Pellerhof schickten Steinmetze einen verhauenen Stein auf „Bernhards letzte Reise“. Das verpfuschte Werkstück wurde hinter dem Gebäude feierlich beerdigt, so wie es seit der Gotik der Brauch ist.

Wie viele Steine die Steinmetze des Fürther Unternehmens GS Schenk für den Wiederaufbau des Pellerhofs mittlerweile geschlagen haben, vermögen sie nicht zu sagen, aber mehrere Hundert werden es wohl sein. Jetzt wurde einer verschlagen: Statt die linke und die rechte Hälfte des Bogens zu arbeiten, hat einer der Gesellen versehentlich zweimal die rechte geschlagen. Nun kann aber nach den Worten von Steinmetzmeister Roland Meier so ein verschlagener Stein nicht einfach anderswo platziert werden, denn jeder muss genau nach Maß sein. Damit ist der vermasselte unbrauchbar – die Initialzündung für GS Schenk, eine Tradition des schon in der Antike bekannten Berufs aufleben zu lassen: die „Bernhard Beerdigung“. „Bernhard“ heißt in der Fachsprache der Steinmetze ein Stein, der durch falsches Messen, Missverstehen einer Zeichnung oder ähnliches vermasselt wurde. Der Begriff geht, wie Jobst Dentler, Geschäftsführer GS Schenk, erläuterte, auf eine misslungene steinerne Figur des Heiligen Bernhard von Clairvaux aus der Zeit um 1190 zurück, die aus Pietät nicht weggeworfen, sondern feierlich beerdigt wurde.